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Dompteur, Kontrolleur, Babysitter

David Ganzleben bei einer der vielen Kontrollen. David Ganzleben bei einer der vielen Kontrollen.

Shanghai, September 2013

Supplier Quality Engineer David Ganzleben, seit mehr als einem Jahr an Bord in Shanghai, definiert so seinen anspruchsvollen Job. Er ist für die Auswahl, Qualifizierung und Weiterentwicklung der Qualitätsperformance von Lieferanten zuständig. Sein durchschnittlicher Arbeitstag hat viel mit Genauigkeit, Fingerspitzengefühl und Vorausschau zu tun. Und manches Mal auch mit einem Paulaner Bier.

Rund 80 % seiner Zeit verbringt Ganzleben vor Ort bei den Mercurtrade-Lieferanten, durchschnittliche Flugzeit rund 2 ½ Stunden. Einerseits um neue Lieferanten kennen zu lernen: Um deren technische Fertigungsmöglichkeiten, die Maschinen, das Equipment bzw. um ähnlich gefertigte Produkte unter die Lupe zu nehmen. Andererseits aber auch, um persönliche Beziehungen aufzubauen, das im chinesischen Wirtschaftsleben bedeutsame „Guanxi“.

Wieder zurück im Büro in Shanghai warten oft Erstmuster auf ihn. Diese müssen auf´s Genaueste kontrolliert werden. Mit technisch ausgereiften Prüfinstrumenten werden diese Inspektionen durchgeführt. „Besonders wichtig ist es, die Einhaltung der Toleranzen sicherzustellen. Denn ein lokaler Produzent nimmt es dabei nicht so genau wie unsere Kunden. Für chinesische Hersteller passt ein Material, das ziemlich ähnlich ist, für unsere europäischen Kunden nicht, denn sie wollen exakt das bestellte“, meint Ganzleben. Bei technisch besonders anspruchsvollen Fällen werden auch unabhängige Prüfinstitutionen vor Ort beauftragt.

Und wieder geht es zu Lieferanten, um den Status der laufenden Serienproduktion zu inspizieren. Ganzleben: „Dabei geht es oft auch um ganz triviale Punkte, wie die richtige Transportverpackung, ist genug Ware im Haus für die laufende Produktion, wird der Zeitplan eingehalten“. Denn ein chinesisches Unternehmen macht sich bei Auftragsannahme oft keine großen Gedanken über den Zeitplan oder Produktionsdetails. Gerne werden Aufträge nach dem Motto: „Kein Problem, das geht locker“ angenommen.

Erst im Zuge der Produktion werden bei den Unternehmen die Details und die Schwierigkeiten sichtbar. Und dann greift ein für europäische Unternehmen nicht nachvollziehbares Phänomen Platz - das der Preiserhöhung während des Produktionsprozesses. Und das nicht nur einmal, sondern das kann durchaus mehrfach vorkommen. „Wir müssen also bereits, mit viel Fingerspitzengefühl, bei Auftragsvergabe vorausschauend denken. Und alle künftigen Probleme und deren Lösungen bereits von Anfang an mit einbeziehen und mit einkalkulieren. Umso unsere Kunden vor unliebsamen Überraschungen bei Qualität, Kosten und Lieferterminen zu bewahren“, resümiert Ganzleben.

„Vielfach wird in Europa angenommen, dass chinesische Unternehmen vorsätzlich oder gar betrügerisch bei Qualitäten, Toleranzen, Materialien „schummeln“, aber meistens liegt es an der gänzlich anderen Einstellung, warum Abweichungen zu Stande kommen“, erklärt Walter Rechberger, Geschäftsführer der Mercurtrade Niederlassung in Shanghai. Im Gegensatz zu europäischen Unternehmen spielt 100%ige Präzision im chinesischen Wirtschaftsleben keine Rolle. Wenn etwas halbwegs so ist und der Termin und der Preis in etwa eingehalten werden, so entspricht dies der chinesischen Usance. Und wird im Geschäft unter Chinesen voll toleriert. „Somit ist es wichtig, dass für ein europäisches Unternehmen ein erfahrener Dienstleister vor Ort ist, der die Umstände kennt und trotzdem die hohen Qualitätsansprüche sicherstellt.“

Nach einem aufreibenden Tag voller Genauigkeit, Fingerspitzengefühl und Vorausschau, was macht dann David Ganzleben ab und an mit Freunden? Er freut sich, als gebürtiger Deutscher, auf ein gut gekühltes Glas Paulaner Bier. Auch das gibt es in Shanghai. „Zum Glück“ meint er, trotz aller Begeisterung für den Job und für die andere Kultur, mit doch ein wenig Heimweh.